Zusammenfassung – Vortrag – Woher kommen unsere Kleider?
Am 23ten Oktober hat Marijke Mulder von FEMNET für uns einen Online-Vortrag über Fairtrade Kleidung gehalten. Eininge von uns hatten sich in der gemütlichen Stimmung von der Geiss getroffen, andere konnten sich unkompliziert über Teams einloggen. FEMNET ist ein Verein, der sich seit 18 Jahren für die rechte von Frauen in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie einsetzt. Ziel ist, dass Frauen weltweit unter fairen Bedingungen arbeiten und selbstbestimmt leben können. FEMNET fordert durch Kampagnen, politischen Dialog, solidarische Arbeit mit Partnerorganisationen, Beratung und Bildung, dass Unternehmen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und die Politik verbindliche Regeln schafft.
Der Vortrag gab interessante Einblicke in die Herstellung und Lieferketten unserer Kleidung: Schon während seiner Herstellung reist ein Kleidungsstück mehrmals rund um die Welt. Die Produktionskette kann über 6 verschiedenen Länder geteilt sein, bis das Produkt effektiv im Geschäft verkauft wird. Zum Beispiel der Anbau der Baumwolle in Kasachstan, die in der Türkei gesponnen wird, Färberei in China, Weberei in Polen, Näherei in Bangladesch, Veredelung wieder in China, Export und Grosshandel in Belgien. Nach dem Verkauf des Produktes, ist seine Reise noch nicht fertig, da die finale Entsorgung und / oder Altkleidersammlung zum Schluss oft in Ostafrika stattfindet.
Marijke hat für uns auch ein paar Zahlen aus der Schweiz gesucht, die uns das Problem vor Augen führen: im Schnitt werden 60 Kleidungsstücke pro Jahr und Person verkauft, dabei werden 40% dieser Kleidung gar nicht getragen und landet ungeneutzt einfach im Müll! Eine Person entsorgt jährlich 6,3 kg Kleidung im Altkleidercontainer. Weltweit hat sich die Bekleidungsproduktion von 2000 bis 2014 verdoppelt und bis 2030 wird eine weitere Verdopplung erwartet!
In Europa selbst erfordert der Textilkonsum pro Jahr und pro Person 323 m2 Land, 12m3 Wasser und 523 kg Rohstoffe und verursacht 355 kg CO2-Emissionen. 38% den Emissionen kommt nur von der Stoffproduktion. Marijke geht detailliert auf verschiedene Materialien und deren Auswirkungen auf dei Umwelt ein: der Baumwollanbau, beansprucht 2,5% des weltweiten Ackerlandes und führt durch Monokulturen zu Verlust von Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit sowie zu Erosion. Auf 79% der weltweiten Baumwoll-Anbaufläche werden genveränderte Sorten angebaut. Wenn diese Daten nicht ausreichend waren, um uns bewusst zu machen, wie negativ die Baumwollkultur ist, fügt sie noch hinzu, dass Baumwollanbau für 10% -20% des weltweiten Pestizideinsatzes und 25% des Insektizidmarktesverantwortlich ist, was führt zu große Gesundheitsrisiken für die Bäuerinnen und Bauern durch unsachgemäße Verwendung, kontaminierten Flüsse, Seen, Grundwasser und CO2-Emissionen in der Produktion. Zum Schlus ist auch Baumwollanbau mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden:11.000 l/kg, was zu Umleitung von Gewässern zur Bewässerung führt. Färben von einem Kilo Stoff benötigt bis zu 150 Liter Wasser: es beinflusst die Trinkwasservorräte und versalzt den Boden. Leider gelangt Abwasser oft ungeklärt in den Wasserkreislauf:Lebewesen und Landwirtschaft wird geschadet, Erhöhte Temperaturen der Abwässer schaden dem ökologischen Gleichwicht und Rückstände von Chemikalien führen zu Gesundheitsschäden bei Konsument*innen und der Bevölkerung im Produktionsland.
Dazu kommen noch die Synthesefasern, aus der rund 65% unserer Kleidung hergestellt sind. Sie werden aus Petrochemikalien, also Erdöl-basierten Substanzen, hergestellt. Die Umweltfolgen sind nicht zu unterschätzen: gefährliche Abfälle, Freisetzung schädlicher Gase, Abwasser-und Chemikalienmanagement und hohe CO2-Emissionen (ein T-Shirt aus Polyester verursacht zum Beispiel ca. 5,5 kg CO2-Emissionen). Umweltbelastunge entstehen nicht nur durch die Produktion: 35% des Mikroplastiks in den Meeren stammt von Textilien. Pro Waschgang werden bis zu 3000 Fasern freigesetzt. Durch Waschtemperatur, Waschmittel und Waschprogramm können wir beeinflussen, wie viele Mikroplastik-Fasern bei einem Waschgang entstehen.

Insgesamt werden in der Textilproduktion werden ca. 1900 Chemikalien eingesetzt. 165 davon stuft die EU als gefährlich für die Umwelt ein. Bei jeder Etappe von Textilherstellung kommen Chemikalien für verschiedene Zwecke zum Einsatz: bei der Ernte, zum Färben, Schutz vor Schimmelpilzen, Veredelung und besondere Materialausrüstung wie pflegeleicht, bügelfrei, antimikrobiell, filzfrei, UV-Schutz usw. Die entstehenden Klärschlämme und flüchtige Stoffen Stoffe gefährden unsere Gesundheit und verursachen Allergien. 20% der weltweiten Wasserverschmutzung kommt von diesen Chemikalien. Weitere Umweltverschmutzung und CO2 Emmissionen entstehen durch die Verpackungsmaterialen und den Transport.
Zu guter letzt spielt auch die Entsorgung eine (schlechte) Rolle im Lebenszyklus eines Kleidungsstücks: Marijke erläutert dies mit Daten aus der Schweiz von 2019 gefunden: 107 000 Tonnen Textilien müssen jedes Jahr entsorgt werden, die Hälfte davon wird verbrannt. Schwermetalle, Mikroplastik und andere Schadstoffe gehen in den Boden und das Grundwasser.
Die Ausmasse der Umweltverschmutzung durch Herstellung, Transport, Gebrauch und Entsorgung sind bedrückend. Was können wir tun? Zum Glück hat Marijke Hoffnung ein paar konkreten Vorschlägen. Die Beste ist, Kleidung aus unserem Kleiderschrank zu nutzen und neue Einkäufe zu minimieren. Lust auf neue Kleidung sollte am besten durch leihen, tauschen, gebraucht kaufen oder selbst machen als nachhaltigere Lösungen gestillt werden.
Und wenn man trotzdem etwas neu kaufen möchte? Kann man eine nachhaltigere Wahl treffen? Oder eine weniger schlechte? Das ist tatsächlich nicht einfach… Der Vergleich zwischen Natur und Synthesefasern ist nicht eindeutig. Naturfasern haben zwar einen niedrigeren C02-Fussabdruck und führen zu weniger Mikroplastik aber im Vergleich zu Synthesefasern ist, insbesondere bei Baumwolle, der Wasser- und Landverbrauch höher. Wolle von Tieren bedeutet dagegen Metan-Ausstoss. Die beste ökobilanz haben klar Leinen- und Hanftextilien.
Textilien von Markenherstellern sind nicht nachhaltiger als günstige Labels allerdings ist qualitativ hochwertige Kleidung länger verwendbar und einfacher als Second-Hand Stück weiter zu verkaufen.
Textilien aus biogolischem Anbau sollten bevorzugt werden. Die Industrie kann auch einen Teil beitragen, durch den Einsatz erneuerbarer Energie, durch Technologien, die den Energieverbrauch senken (z.B. Nutzung von Abwärme) und den Wasserverbrauch verringern (z.B. Kreislaufrückführung von gereinigtem Prozesswasser) und durch die Entwicklung neuer, innovativer Produkte, wie kreislauffähige Textilien und Textilien aus recyceltem Material. Der Abfall kann verringert werden, wenn die Effizienz bei den Schnittmustern steigert. Und Chemikalien können reduziert, wiedergewonnen oder ersetzt werden.
Aber wie finden wir Hersteller, die sich bemühen, besser zu werden? Gewissen Label weisen auf Nachhaltigkeit hin: die Fair Wear Foundation hat hohe Sozialstandards. GOTS verlangt 70% nachhaltige Fasern und hat hohe Öko-Standards. Fairtrade-Cotton zertifiziert den Baumwollanbau mit sozialen, ökologischen Kriterien, Mindestpreis & Fairhandelsprämie.






